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Zusammenhalt: Die acht Themenfelder

Verschiedene Menschen am Tisch im Gespräch

Die Landesregierung hat im März 2019 ein ressortübergreifendes Impulsprogramm für den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit einem Volumen von 20 Millionen Euro beschlossen. Unter dem Motto „Na klar, zusammen halt …“ entstehen in acht Themenfeldern konkrete Projekte, die durch mutige und unkonventionelle Ansätze das Miteinander im Land stärken. Die Aktivitäten reichen von der Förderung bürgerschaftlichen Engagements und der Bürgerbeteiligung über die Umsetzung einer Kampagne für eine respektvolle Diskussionskultur in den Sozialen Medien bis hin zur Wiederbelebung öffentlicher Orte im ländlichen Raum.

In unserer Bilderstrecke geben wir Ihnen einen Überblick über die Themenfelder und Projekte.

Ländlicher Raum: Zusammenhalt im Ländlichen Raum

Maulbronner Kammerchor bei den Tagen der Chor-und Orchestermusik in Bruchsal (Bild: © dpa)

Im Ländlichen Raum ist die Bereitschaft, sich bürgerschaftlich zu engagieren besonders ausgeprägt. Mancherorts führen demografischer Wandel und weitere gesellschaftliche Entwicklungen indes dazu, dass der nachbarschaftliche Austausch dennoch abnimmt oder leerstehende Gebäude, Schulen oder Gasthäuser das Ortsbild prägen.

Die beiden Gemeinschaftsprojekte „Gemeinsam:schaffen“ und „FreiRäume“ wollen diesen Entwicklungen durch zwei unterschiedliche Ideenwettbewerbe im Themenfeld „Orte des Zusammenhalts im ländlichen Raum“ Rechnung tragen. Gerade in der aktuellen, durch SARS-CoV-2 ausgelösten Situation machen sich viele Menschen Gedanken, wie sie sich gegenseitig Orientierung, Halt und Sinn geben können. Wir fördern innovative Projekte, die die Wertevermittlung im Ländlichen Raum stärken, leerstehende Gebäude durch künstlerische und soziokulturelle Nutzungen wiederbeleben, Kultureinrichtungen zu Begegnungsorten weiterentwickeln und Musik an außergewöhnliche Orte bringen.

Im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Gemeinsam:schaffen“ sucht das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zivilgesellschaftliche Initiativen und Unternehmen, die gezielt Menschen zusammenbringen, die normalerweise nicht oder selten in einen direkten Austausch miteinander treten. Gefördert werden kreative und innovative Projekte oder Ideen für gemeinsame Aktivitäten, gemeinsames Lernen oder gemeinsames Gestalten, die den Ländlichen Raum und den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig stärken.

Der zweite Ideenwettbewerb „FreiRäume“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst zielt darauf auf ab, neue Orte der Begegnung und des soziokulturellen Engagements zu schaffen. In Zusammenarbeit verschiedener Akteure sollen leerstehende Gebäude in ländlichen Kommunen durch künstlerische und soziokulturelle Prozesse wiederbelebt oder bestehende Kulturorte für neue Nutzungen geöffnet und zu sogenannten „Dritten Orten“ weiterentwickelt werden. „FreiRäume“ richtet sich insbesondere an Kommunen und kommunale Verbünde, kulturelle Einrichtungen, Vereine und Initiativen sowie private Personen und Gesellschaften. Mit einer zusätzlichen Förderlinie „Zukunftsmusik“ sprechen wir zudem Netzwerke von Chören, Ensembles und Orchestern der Amateurmusik sowie professionelle Musikerinnen und Musiker an. Sie sind eingeladen, außergewöhnliche Orte der Musik aufzuspüren, diese einzurichten und dort gemeinsame Konzerte oder musikalische Aufführungen zu zeigen.

Die öffentlichen Ausschreibungen sind gestartet: „Gemeinsam:schaffen“ und „FreiRäume“

Die beiden Ideenwettbewerbe sind Teil des Themenfeld 1: Orte des Zusammenhalts im ländlichen Raum.

Ländlicher Raum: Nachwuchs fürs Ehrenamt gewinnen

Eine junge Frau bei einer Übung der freiwilligen Feuerwehr.

Baden-Württemberg ist das Ehrenamtsland. Nirgendwo sonst bringen sich Menschen für die Gemeinschaft so ein wie in Baden-Württemberg. Allerdings erfasst der demographische Wandel ländliche Räume und die dort vorhandenen Ehrenamtsstrukturen im besonderen Maße. Das Projekt „Stärkung von Vereinen, Verbänden, Organisationen und Initiativen, die sich bürgerschaftlich engagieren“ will daher junge Menschen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren für wichtige zivilgesellschaftliche Aufgaben und Führungsfunktionen im Ehrenamt durch professionelle Qualifizierungsmaßnahmen gewinnen. Ziel ist es, für Ehrenamtsstrukturen im ländlichen Raum zu begeistern, um diese zu stärken, zu erhalten oder sogar wiederaufzubauen. Das Vorhaben im Themenfeld 1 „Orte des Zusammenhalts im Ländlichen Raum“ setzen das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und das Ministeriums für Soziales und Integration gemeinsam um.

Ländlicher Raum: Zusammenleben erleben

Bewohner eines Mehrgenerationenhauses sitzen im Gemeinschaftszimmer (Bild: © dpa).

In unserer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir Orte der Begegnung von Alt und Jung. Das Projekt Förderung von Mehrgenerationenhäusern soll Impulse für die Art und Weise geben, wie wir in Zukunft zusammen leben. Unterstützt bekommen Neugründungen sowie die Weiterentwicklungen bestehender Treffpunkte vor Ort zu Mehrgenerationenhäusern. Aber auch moderne Kommunikationsformate, die alltagspraktische Hilfe- und Unterstützungsleistungen zwischen den Generationen ermöglichen. Die Landesarbeitsgemeinschaft Mehrgenerationenhäuser Baden‐Württemberg e.V. (LAG MGH BW) führt das Projekt im Themenfeld 1 „Orte des Zusammenhalts im Ländlichen Raum“ im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Integration und der Stabsstelle für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung durch.

Ländlicher Raum: Ortskerne beleben

Auf dem Bild ist ein belebter Platz zu sehen. Die Sonne scheint und Radfahrerinnen sowie Fußgänger beleben den Platz, der mit schönen Häusern umringt ist.

Insbesondere im Ländlichen Raum, aber auch in peripheren Stadtteilen, spielt die Ortsmitte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt eine zentrale Rolle. Daher fördert das Projekt „Ortsmitten – gemeinsam barrierefrei und lebenswert gestalten“ Verbesserungen in der Aufenthaltsqualität, bei der Barrierefreiheit und dem sozialen Miteinander von Ortsmitten. Dabei setzt das Projekt stark auf Bürgerbeteiligung, um insbesondere die Vorstellungen und Bedürfnisse der Bürgerschaft in dem Transformationsprozess berücksichtigen zu können. Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) setzt das Projekt im Auftrag des Ministeriums für Verkehr und in Abstimmung mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und dem Ministerium für Soziales und Integration um.

Die öffentliche Ausschreibung ist gestartet.Projekt „Ortsmitten – gemeinsam barrierefrei und lebenswert gestalten“Pressemitteilung vom 18. September 2020

Engagement und Sicherheit: Rechtsstaat macht Schule

Auftaktveranstaltung „Rechtsstaat macht Schule" in der Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums in Böblingen mit Justizminister Guido Wolf und Innenminister Thomas Strobl. (Bild: Max Kovalenko / Justizministerium Baden-Württemberg)

Gesellschaftlicher Zusammenhalt und unsere freiheitlich-demokratischen Grundordnung benötigen den Respekt vor gemeinsamen Spielregeln sowie die Akzeptanz rechtstaatlicher Entscheidungen. Das Projekt „Rechtsstaat macht Schule“ setzt genau an dieser Stelle an. Funktionsträger aus Polizei, Justiz und Anwaltschaft informieren im Rahmen von Unterrichtsangeboten Schülerinnen und Schüler über ihre tägliche Arbeit, die im Hintergrund laufenden Prozesse sowie die Grundprinzipien der Rechtsstaatlichkeit. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, sollen öffentliche Veranstaltungsformate auch an ungewöhnlichen Orten wie Museen, Theatern oder anderen Kultureinrichtungen sowie Angebote bei Trägern der Jugendarbeit stattfinden. Das Projekt im Themenfeld „Bürgerschaftliches Engagement und Sicherheit“ führt das Ministerium der Justiz und für Europa in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration durch.

Wohnen: Genossenschaftliches Wohnen stärken

Passanten laufen in Tübingen über die Aixer Straße des Französischen Viertels (Bild: © dpa).

Angesichts der derzeit angespannten Situation auf vielen Wohnungsmärkten in Baden-Württemberg leisten Wohnungsgenossenschaften einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum. Das Projekt „Genossenschaftliches Wohnen stärken“ fördert daher rechtsformspezifische Gründungskosten, um den Schritt zur Gründung einer Wohnungsgenossenschaft zu ebnen.

Eine Landesbürgschaft soll Wohnungsgenossenschaften, die neuen sozialgebundenen Mietwohnraum schaffen wollen, der Zugang zum Landeswohnraumförderungsprogramm ermöglichen. Die Umsetzung des Projekts im Themenfeld 3 „Neue Ansätze für gutes und bezahlbares Wohnen“ erfolgt durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Kooperation mit dem  Ministeriums für Soziales und Integration und dem Ministerium für Finanzen.

Integration: Migrantenvereine sichtbarer machen

Flüchtlinge der Landeserstaufnahmeeinrichtung Ellwangen feiern zusammen mit Flüchtlingshelfern eine Adventsfeier. (Foto: dpa)

Migrantenorganisationen sind durch ihr vielfältiges Engagement relevante zivilgesellschaftliche Akteure in Baden-Württemberg. Gleichzeitig gilt es, sie weiter zu stärken, damit sie ihre Potenziale noch besser entfalten können. Um Migrantenvereine sichtbarer zu machen und ihre gesellschaftliche Verankerung und Vernetzung zu fördern, fand am 23. November 2019 die erste Landesfachtag Migrantenorganisationen als Auftakt des Projektes Stärkung und Vernetzung von Migrantenorganisationen statt.

Um die aktive Teilhabe migrantischer Vereine am gesellschaftlichen und politischen Geschehen in die Fläche zu tragen und auf lokaler Ebene zu verankern, sind dezentrale Veranstaltungen in rund 20 baden-württembergischen Kommunen geplant. Migrantenorganisationen, die häufig kaum oder nur im engen örtlichen Umfeld bekannt sind, sollen dadurch auch auf kommunaler Ebene eine stärkere Wahrnehmung erfahren. Das Projekt im Themenfeld 4 „Vereine und Kultureinrichtungen als Motoren des Zusammenhalts“ führt das Forum der Kulturen Stuttgart e.V. im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Integration und der Stabsstelle für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung durch.

Inklusion: Inklusives freiwilliges soziales Jahr

Ein Mann im Rollstuhl arbeitet an der Rezeption eines Campingplatzes. (Foto: © dpa)

Das Engagement junger Menschen während des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) leistet einen unersetzlichen Beitrag zum Funktionieren unseres Gemeinwesens in Baden-Württemberg. Mit dem Projekt „Förderung inklusiver Maßnahmen im Freiwilligen Sozialen Jahrwill die Landesregierung 2.000 jungen Menschen mit besonderen Begabungen, Fähigkeiten und Bedarfen durch eine zusätzliche Förderung ein erfolgreiches FSJ zu ermöglichen.

Jeder FSJ-Täger erhält zusätzlich eine Pauschale für junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf, die ein FSJ absolvieren. Damit sollen besonders zu berücksichtigenden Bereiche identifiziert und erfolgreiche Strukturen unterstützt werden. So können die Träger die entsprechenden Voraussetzungen zur Hilfestellung und Unterstützung schaffen. Das Projekt ist Teil des Themenfeldes 4 „Vereine und Kultureinrichtungen als Motoren des Zusammenhalts“. Das Ministerium für Soziales und Integration setzt das Projekt federführend in Kooperation mit der Stabsstelle für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung um.

Netzkultur: Respekt statt Hass und Hetze

Vier Jugendliche sitzen auf einer Freitreppe und betrachten etwas auf dem Smartphone

Mit #RespektBW setzt die Landesregierung ein klares Zeichen gegen Hass, Hetze und Fake News in Sozialen Netzwerken. Das Projekt im Themenfeld 5 „Respektvolle Diskussionskultur und Soziale Medien“ soll Kinder und Jugendliche für die Wirkung von Hass im Netz und für Propagandastrategien sensibilisieren und ermuntern, sich eine eigene Haltung anzueignen und aktiv Stellung zu beziehen. Neben einer landesweiten Informationskampagne unter dem Slogan „Bitte was?! Kontern gegen Fake und Hass“ sind ein Wettbewerb und Veranstaltungen an Schulen wesentliche Bestanteile des Projektes. Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg führt die Kampagne im Auftrag des Staatsministeriums und in enger Abstimmung mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg durch.

Unterrichts- und Workshopmaterialien

Bildung: Vom Klassenzimmer ins Weltenlabor

Zwei Schüler bei einer Gruppenarbeit im Unterricht (Bild: © Ministerium für Kultus, Jugend und Sport BW).

Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg sind nicht zuletzt auch Orte der Begegnung und des Dialogs. Das interkulturelle Begegnungsprojekt World LAB bietet Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen die Möglichkeit, mittels interkultureller Workshops und Schülerprojekten ein gelingendes Miteinander in Vielfalt zu erleben und wertebasiert gemeinsam zu gestalten. Im Rahmen des Themenfelds 6 „Bildungseinrichtungen als Orte des Zusammenhalts“ werden auf diese Weise die Kernkompetenzen für eine gelebte Demokratie vertieft. Aktuell ist das Angebot für berufliche und allgemein bildende Schulen offen. Das World LAB ist eine Kooperation der Stiftung Weltethos und des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport mit Förderung der Robert Bosch Stiftung. Ab 2020 werden Qualität und Wirkung des World LAB durch eine empirische Begleitforschung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst untersucht. Die Erkenntnisse sollen anschließend in die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte im Land einfließen.

Verkehr: Ideen für eine neue Mobilität

Eine Frau steigt aus dem Bürgerbus. (Bild: © Wolfram Kastl/dpa)

Nachhaltige und bürgerfreundliche Mobilitätskonzepte sind eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und Zusammenhalt – insbesondere in den dünn besiedelten Kommunen im ländlichen Raum. Vor dem Hintergrund der Mobilitätswende geht das Projekt „Kooperative Mobilitätskonzepte im Ländlichen Raum“ der Frage nach, wie sich bürgerschaftliche oder unternehmerische Sharing-Konzepte durch Autohäuser, Autowerkstätten und Auto händler professionell unterstützen lassen?

Ein Ideenwettbewerb fördert Pilotprojekte, die kooperativ ausgerichtete Mobilitätsangebote im Verbund von Mobilitätsanbietern und Akteuren aus der Kfz-Wirtschaft professionalisieren und damit dauerhaft tragfähig machen.

Das Projekt ist Teil des Themenfeldes 7 „Bürgerschaftliche Mobilitätskonzepte“. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau setzt das Projekt in Kooperation mit dem Ministerium für Verkehr und dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz um.

Europa: Europa in Baden-Württemberg

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Baden-Württemberg liegt nicht nur im Herzen Europas, sondern ist für viele Europäerinnen und Europäer Heimat. Aber wie lebt es sich eigentlich als Europäer in Baden-Württemberg? Und wie steht es mit der gesellschaftlichen Teilhabe? Was funktioniert gut, was weniger gut?

Diesen Fragen widmet sich das Projekt „Europa in Baden-Württemberg des Ministeriums der Justiz und für Europa in Kooperation mit der Stabsstelle für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Themenfeld 8 „Europa in Baden-Württemberg“. Der Landesregierung ist es ein Anliegen, mit Vertreterinnen und Vertretern der Unionsbürger aus anderen EU-Mitgliedstaaten im Land in einen Dialog über den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa und in Baden-Württemberg einzutreten. Das Projekt soll dazu beitragen, die Erfolgsgeschichte der europäischen Idee hier und im gesellschaftlichen Miteinander zu stärken und weiterzuentwickeln.